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Zum Ende des Patriarchats
Ina Praetorius

Zum Ende des Patriarchats

Theologisch-politische Texte im Übergang
Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz · 1. Auflage 2000 · 160 Seiten, 14,5 x 22,5 cm, kartoniert
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Beschreibung

Das Patriarchat geht zu Ende. Hinter der Aufgeblasenheit seiner Institutionen – Kapitalismus, Vatikan, Armeen, Wissenschaftsbetrieb usw. – verbergen sich Schwäche und Niedergang. Was aber kommt dann? Ina Praetorius schreitet mit ihren provozierenden, aber auch Lust machenden Texten einen weiten Horizont ab: Die Würde der Kreatur, ein anderes Wirtschaften, die kritische Auseinandersetzung mit der Gentechnik – das sind nur einige der Themen, anhand derer sie kreative, lebensbejahende Formen des Handelns aufzeigt. Und sie führt uns zu den Quellen, aus denen sich ein neuer, solidarischer Umgang miteinander und mit der außermenschlichen Kreatur speist. Die Weihnachtsgeschichten und Gleichnisse des Neuen Testaments gehören ebenso dazu wie etwa Astrid Lindgrens "Ronja Räubertochter" und Johanna Spyris "Heidi". Die Praxis der Frauenbewegung lässt uns nicht zuletzt die christliche Tradition ganz neu entdecken. Viele Jahre vor der Jahrtausendwende haben die Frauen des Mailänder Frauenbuchladens einen Text veröffentlicht, der den Titel trägt: Das Patriarchat ist zu Ende. Es ist passiert - nicht aus Zufall. Viele waren skeptisch diesem Text gegenüber, viele sind es noch. Die Rede vom Ende des Patriarchats steht quer zur herkömmlichen Rhetorik jedenfalls der deutschsprachigen Frauenbewegung. Nichts wünschen wir Feministinnen und unsere männlichen Sympathisanten zwar so sehnlich herbei wie das Ende dessen, was wir Frauenunterdrückung nennen. Jahrhundertelangen Kämpfen zum Trotz scheint aber das Ersehnte nicht in Sicht. Offenbar entrückt es sogar in immer fernere Zukunft. Schwarze Fakten führen wir an, um zu belegen, was wir zu sehen meinen: Fortpflanzungstechniker strengen sich an, weibliches Gebären durch etwas Besseres zu ersetzen. Auf dem Markt der gut bezahlten Jobs sinken die Chancen der Frauen. Die Armut wird immer weiblicher. Kein Ende der Gewalt gegen Frauen ist in Sicht. Wer mag angesichts solcher Entwicklungen vom Ende des Patriarchats sprechen? Ein paar kluge Frauen leisten sich die Naivität. Die Mailänderinnen sagen: Das Patriarchat ist zu Ende. Die Frauen glauben nicht mehr daran, und damit ist es zu Ende. Das Patriarchat ist ein Glaubensinhalt. Ein ordnendes Prinzip, das meine Wahrnehmungen in bestimmte Bahnen lenkt. Um seine Macht ausüben und erhalten zu können, braucht es die Gemeinde der Patriarchatsgläubigen. Sie besteht aus jenen, die das Patriarchat behalten, und aus denen, die es abschaffen wollen. Es scheint, als seien die Patriarchen selbst ihrer Sache nie ganz sicher gewesen. Jedenfalls brauchen sie, gerade heute, immer neue Tricks und Drohgebärden, um zu retten, was keine Zukunft hat. ... Feminismus und Ökologie Im Begründungsdiskurs der modernen Naturwissenschaft erscheint die Natur häufig in weiblicher Gestalt: als Braut, Ehefrau, Sklavin etc. Man schreibt ihr Eigenschaften zu, die gemeinhin mit Weiblichkeit assoziiert sind: Unberechenbarkeit, Statik, Geschichtslosigkeit. Umgekehrt ist es ein androzentrischer Gemeinplatz, daß Frauen der Natur näherstehen als Männer. Aus solchen Parallelisierungen von Natur und Weiblichkeit ziehen feministische Denkerinnen den Schluß, daß zwischen der Diskriminierung der Frauen und der Ausbeutung der Natur eine strukturelle Verwandtschaft besteht: Frauen -und übrigens häufig auch Kinder, Fremde, psychisch Kranke, Alte und andere an den Rand der Gesellschaft gedrängte Gruppen- werden aus dem Diskurs der Vollmenschen mit der Begründung ausgeschlossen, sie seien nicht –oder nicht mehr oder noch nicht- fähig zum rationalen Urteil, da sie von unberechenbaren Emotionen oder Schwächen bestimmt würden. Der Mensch wird in solchen gängigen Argumentationen ineinsgesetzt mit dem Existenztyp des aktiven Mannes. Dieser Mensch hält Frauen von öffentlicher Verantwortung und wissenschaftlicher Betätigung fern mit der Begründung, sie seien schwach, inkompetent und stünden der Natur zu nahe. Und er beutet Natur aus mit dem Argument, sie sei wie eine Frau, also unberechenbar und daher gefährlich und am besten zu beherrschen, indem man ihre Gesetze erkennt und sie auf die Funktion festlegt, dem Menschen zu nützen. Viele feministische Denkerinnen setzen aufgrund der Entdeckung solcher paralleler Argumentationen und aufgrund der Tatsache, daß sie mit einer faktischen gesellschaftlichen Dominanz weißer, erwachsener Männer korrespondieren, den Begriff Androzentrismus an die Stelle des gängigen Anthropozentrismus. Die ökologische Problematik ist für feministische Denkerinnen also nicht ein allgemein menschliches Problem. Sie hat ihre Wurzel vielmehr in einer androzentrischen oder patriarchalischen Ordnung. ...

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