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Lass Gott – Gott sein
Carlos G. Vallés

Lass Gott – Gott sein

Spirituelles Wachstum durch die Weiterentwicklung der eigenen Gottesvorstellungen
Santiago Verlag, Goch · 1. Auflage 2001 · 180 Seiten, kartoniert
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Beschreibung

"Erzähle mir von Deinem Gott - und ich sage Dir, wie Du lebst!" Unsere Vorstellungen von Gott begleiten uns durch unser ganzes Leben. Sie geben uns Kraft, je mehr sich unser Gottesbild an seine unendliche, unauslotbare Wirklichkeit annähert. Andererseits verursachen unsere eigenen Gottesvorstellungen Angst, wenn wir dieses Bild durch menschliche Vorurteile und Festlegungen verdunkeln und beeinträchtigen. Pater Vallés schreibt dieses Buch aufgrund von Erfahrungen, die er in mehr als vierzig Jahren in Indien als christlicher Seelsorger in der täglichen Begegnung mit Hindus, Buddhisten und Naturreligionen gesammelt hat. Aus dem 1. Kapitel: 1. Erzähle mir von deinem Gott Mir wurde in meinem Leben schon oft die Frage gestellt: "Was hat Indien Ihnen eigentlich gegeben?" Und die Antwort, die ich dann gebe, lautet: "Indien hat meine Vorstellung, das Konzept, das ich von Gott hatte, auf eine breitere Basis gestellt und bereichert ... und das ist wahrscheinlich der beste Dienst, den das Land mir leisten konnte." Das ist die für mich gültige und alles zusammenfassende Antwort, die ich darauf gebe. Damit will ich auch deutlich machen, dass ich eine lange Zeit gebraucht habe, um die Klarheit und Finalität dieser kurzen Formel zu erreichen. Fast 40 Jahre habe ich in Indien gelebt. Zu Beginn meines Aufenthaltes dort hätte ich nicht im Traum daran gedacht, so eine Antwort zu geben, abgesehen davon, dass mir niemand eine solche Frage gestellt hatte. Einerseits bedarf es für diese Antwort einer gewissen Reflexion und Reife, die nur die Zeit mir vermitteln konnte. Andererseits kam ich damals mit der Grundeinstellung nach Indien, hier vor allem "geben" und nicht "empfangen" zu wollen. Ich war arrogant genug zu denken, dass ich kam, um zu lehren und nicht, um zu lernen. Ich war es, der "etwas" für Indien tun würde und nicht Indien etwas für mich. Damals wusste ich einfach noch nicht, dass wahres Lernen, wenn es denn überhaupt stattfindet, immer auf Gegenseitigkeit beruhen muss. Wahres Lernen ist immer eine Straße mit Gegenverkehr: Um geben zu können, muss ich meinen eigenen Geist und meinen Vorstellungshorizont weit öffnen. Erst wenn Hand und Herz und Sinn auf diese Weise bereitet wurden, können sie von der Region und dem Umfeld, das zu bereichern sie gekommen waren, ihrerseits empfangen, Herausforderungen annehmen und sich bereichern lassen. In einem perfekten orientalischen Paradoxon (und hier können wir schon beginnen, vom Orient zu lernen, Heimat und Wachstumsklima des Paradoxen) ist Geben gleich Nehmen, und Lehren ist Lernen!

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